Fressen oder nicht Fressen – jetzt keine Frage mehr!

Im ersten Teil habe ich Dir von meinem „Draußenstaubsauger“ Nick berichtet. Jetzt möchte ich Dir erzählen, wie wir an unserem Problem gearbeitet haben und welche „Vereinbarung“ wir beide getroffen haben, damit wir beide mit der Lösung: liegen lassen, was wir finden, gut leben können.

Nicht nur eklig, sondern im Schlimmsten Fall lebensgefährlich

Denn es gibt ja noch einen weiteren sehr wichtigen Aspekt: klar, es ist eklig, was mein Hund so alles als „fressbar“ empfindet und sich einverleibt. Aber es kann noch etwas ganz anderes sein: nämlich sehr gefährlich! In gar nicht wenigen Fällen sogar lebensgefährlich.
In den letzten Jahren häufen sich immer mehr Berichte von ausgelegten Giftködern. Und diese sind meist nicht in irgendetwas „Ekligem“ versteckt, was vielleicht nur der ein oder andere Hund interessant findet, sondern sie befinden sich gezielt in Futter, welches für so ziemlich jeden Hund interessant ist.

Deshalb sollte jeder mit seinem Hund üben, nicht alles zu fressen, was er irgendwo draußen findet.

Und da es in unseren Hunden aber nunmal fest verankert ist und die Suche nach Futter Bedürfnisse befriedigt, ist das gar nicht so einfach!

 

Das Problem mit dem Verbot…

…kennen wir doch eigentlich alle, oder? Wie war das noch mit den sprichwörtlich „verbotenen Trauben“.
Und wer bitte hat tatsächlich KEINE Party gegeben, wenn die Eltern alleine im Urlaub waren und man sicher sein konnte, dass sie niemals davon erfahren werden?

Genau das kann passieren, wenn Du mit einem Verbot, z.B. mittels eines scharfen „Nein“ arbeitest. Dein Hund erschreckt sich, merkt auch, dass er Ärger mit Dir kriegen wird und lässt das Vorhaben fallen.
Jetzt und hier. Aber das Bedürfnis, das Verbotene zu bekommen bleibt. Und der Frust.

Ich erzähle Dir mal, was mein lieber Nick da gerne tat: er ließ es liegen und kam mit mir mit. Und wenn ich soweit war, dass ich mich entspannt habe und weitergegangen bin, als wäre nichts gewesen, weil ich sicher war, dass er längst vergessen hat, dass dort etwas Spannendes lag, dann ließ er sich langsam und unauffällig zurückfallen. Wenn ich mich umdrehte und mitbekam, was sich da gerade hinter meinem Rücken zusammenbraute, dann sah er mir nochmal tief in die Augen und warf sich rum und holte sich das, was wir eigentlich schon längst hinter uns gelassen hatten. Und ich hatte keine Chance mehr, es zu verhindern.

Noch schlimmer ist es, wenn Dein Hund lernt, dass er besser nicht mehr offen zeigt, wenn er etwas „Fressbares“ gefunden hat, sondern aufgrund der Erfahrung, dass Du sehr ungehalten reagierst, das Ganze lieber ganz alleine mit sich selbst abmacht und schnell und unauffällig herunterschluckt, was ihm vor die Nase fällt.

Fatal vor allem, wenn es tatsächlich ein Giftköder war! Denn wenn Du nichts mitbekommen hast, dann kannst Du auch nicht die sofort lebenswichtigen Maßnahmen ergreifen!

So, die Problematik war bekannt. Nun ging es auf die Suche nach der Lösung.

 

Die Lösung: ein zielführendes Training

Die Lösung ist eigentlich recht simpel: ich muss meinem Hund beibringen, dass es sich für ihn mehr lohnt, das, was er findet liegen zu lassen, als es sofort zu fressen.

Wir haben also damit begonnen, ein Signal aufzubauen, welches meinem Hund sagt, er soll das, was dort auf dem Boden liegt, liegen lassen.
Dafür, dass er sich daraufhin zu mir umwendet, wird er fürstlich belohnt und zwar so, dass er ganz klar und eindeutig der Meinung ist, dass es sooooo viel besser war, sich mir zuzuwenden, als zu versuchen, sich das, was da auf dem Boden liegt, zu schnappen.
Wenn der Hund diese Erfahrung oft genug macht, ist die Bereitschaft groß, sich eher Dir zuzuwenden, als das Ekelige am Boden zu fressen.

Für den Fall, dass einmal Nick früher als ich wahrnimmt, dass etwas „Spannendes“ in der Nähe im Gebüsch liegt, haben wir noch „einen draufgesetzt“ und ein tolles Spiel für den Hund daraus gemacht, etwas zu finden: er soll das Gefundene anzeigen.
Nick hat gelernt, dass er sich hinsetzt, wenn er etwas „Interessantes“ gefunden hat.
Hier im Video kannst Du sehen, wie Nick die Pferdeäpfel auf dem Weg anzeigt: Nick „Äpfel“ (klick auf den link)
Dafür wird er dann natürlich auch fürstlich belohnt.

 

Spazieren gehen macht wieder Spaß

Unsere beider Stimmungslagen haben sich seither auf unseren Spaziergängen wieder sehr entspannt. Wir sind nicht mehr beide dabei permanent Boden und Gebüsch abzuscannen, immer im Wettbewerb wer wohl der Schnellste sein wird beim Entdecken. Vielmehr nehmen wir evtl. herumliegendes „Essen“ als willkommene Übungseinheit. Nick mag das Spiel sehr und zeigt mir eifrig an, was er gefunden hat, um dann eine gute Belohnung dafür zu erhalten.

Natürlich ist es wichtig, dieses Training kleinschrittig und strukturiert aufzubauen. In Anbetracht der Tatsache, dass es heutzutage leider nicht nur „Ekeliges“ zu finden (und zu fressen) gibt, sondern auch immer wieder erschütternde Berichte von ausgelegten Giftködern und den armen Hunden, die diese gefressen haben, auftauchen, ist es aber eines der wertvollsten Trainings, die Du mit Deinem Hund machen kannst.

Die Anregung für mich, meinen Hund nach dieser Methode zu trainieren, kam von einem Seminar für „Draußenstaubsauger“ von Sonja Meiburg.
Sonja Meiburg ist Hundetrainerin und Betreiberin des online Hundetrainings-Portals „Hey-Fiffi“. Ihr Anti-Giftköder-Training ist sehr erfolgreich. Hierzu hat Sonja Meiburg auch ein Buch verfasst sowie eine begleitende DVD veröffentlicht. Beides kann ich Dir sehr empfehlen.

Da mir dieses Thema ebenfalls sehr am Herzen liegt, biete ich bei mir in der Hundeschule in regelmäßigen Abständen auch einen Workshop für Allesfresser an. Weitere Infos hierzu findest Du hier: Workshop für Allesfresser am 09. März

Wenn Du Deinen Hund also auch liebst, und ebenfalls ein bisschen weniger, wenn er Dich mit schmierigen braunen Spuren „angrinst“, wenn Du Dir Sorgen machst, dass er auch einmal nicht nur etwas Ekliges, sondern etwas Lebensgefährliches fressen könnte, dann fang an mit dem Training und mach aus Deinem „Allesfresser“ einen „Alleszeiger“. 😊